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#ESC2016 – Teil 6: Island, Bosnien-Herzegowina, Malta

IslandBosnien-HerzegowinaMalta

Auf der Bühne rumzappeln wie Loreen, mit der LED-Wand spielen wie Måns Zelmerlöw…Island versucht, auf Teufel komm raus und ziemlich dreist die schwedischen Erfolge der letzten Jahre zu kopieren. Blöderweise haben sie vergessen, Greta Salóme auch noch einen adäquat guten Song mit auf den Weg zu geben, „Hear them calling“ hat nichts, was es wert wäre, im Finale nochmals gehört zu werden. Sag ich ungerne, darf aber gerne ausscheiden.

Bosnien-Herzegowina nimmt nach drei Jahren Auszeit mal wieder am ESC teil…und wenn ich mir ihren Beitrag so anhöre, finde ich spontan, dass es auch hätten vier Jahre Pause sein können. Bonuspunkte für Folklore und Landessprache, ändert aber nichts daran, dass Dalal & Deen feat. Ana Rucner and Jala mit „Ljubav Je“ exakt so auch schon vor 10 Jahren beim ESC hätten auftreten können. Extrem altbacken…und der ge-rapperte Teil hätte auch nicht gemusst. Ich sag’s mit Dieter Thomas Heck: „Bitte nicht wiederwählen!“

Ira Losco weiß, wie sich die ESC-Bühne anfühlt. Im Jahr 2002 erreichte sie für Malta den zweiten Platz, 14 Jahre später gibt sie mit „Walk on water“ einen der moderneren Beiträge des Jahrgangs zum Besten. Ein versöhnlicher Abschluss eines überschaubar unterhaltsamen Halbfinales, wir werden sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am Samstag wiedersehen.

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#ESC2016 – Teil 5: Estland, Aserbaidschan, Montenegro

EstlandAserbaidschanMontenegro

Den höchsten Coolness-Faktor bringt im ersten Halbfinale Estland auf die Bühne. Jüri Pootsmann schwelgt, wie schon der estnische Beitrag des letzten Jahres, in charmantem Retro. Da scheint ein Land seine Nische gefunden zu haben (siehe auch: Lettland). „Play“ entleiht hier und da ein wenig Bond, ist zwar meiner Meinung nach als Gesamtkunstwerk nicht völlig überzeugend…aber vermutlich lässig genug, um am Samstag nochmals aufgeführt zu werden.

Aserbaidschan war in den Jahren 2008 bis 2013 Dauergast in den Top 10 des Wettbewerbs. Nach dem Contest 2013 gab es leise Vorwürfe, dass diese Erfolgssträhne nicht ausschließlich mit lauteren Mitteln erreicht wurde. Es folgten mit den Plätzen 22 und 12 die schlechtesten Ergebnisse der Historie. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. In Stockholm wird es kein Wunder brauchen, um wieder weiter oben zu landen, „Miracle“ ist eine recht hübsche Uptempo-Ballade, die Samra vermutlich stimmgewaltig ins Mikro transportieren wird. Sicher im Finale, dort sicher in den Top 10.

Kommen wir zu einer der beiden Nummern, die sich im ersten Halbfinale um den letzten Platz bewirbt (siehe auch: San Marino). „The real thing“ heißt der Beitrag Montenegros, den die Truppe Highway auf die Bühne bringt. Nachdem im letzten Jahr Knez einer meiner persönlichen Favoriten war, ist dieses Getöse der tiefst mögliche Abstieg. Vielleicht nächstes Jahr dann wieder…

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#ESC2016 – Teil 4: Tschechien, Zypern, Österreich

TschechienZypernÖsterreich

Wer auch immer in diesem Jahr für die Verteilung der Songs auf die beiden Halbfinals zuständig war, hat keinen besonders guten Job gemacht. Nicht nur, dass die Qualität des zweiten Semis ungleich höher ist, auch sind fast alle klassischen Balladen dort gelandet. Daraus könnte am Ende des Dienstags Tschechien Kapital schlagen, denn Gabriela Gunčíková trällert mit „I stand“ die ruhigste und angenehm unaufgeregteste Nummer des Abends. Bislang hat unser Nachbarland das Halbfinale noch nie überstanden, einfacher als in Stockholm wird’s nicht mehr!

…und Action! Zypern gibt uns in personae Minus One mit „Alter Ego“ was auf die Löffel, unter anderem den besten Refrain des ersten Halbfinals. Ich scheue mich ein wenig, das Rock zu nennen, denn letztlich ist es mehr Elektro-Pop mit eingesprenkeltem Gitarrensolo, aber was soll’s. Ganz sicher im Finale.

Der einzig komplett auf Französisch gesungene Beitrag des Jahrgangs kommt aus Österreich. Muss man auch erst mal drauf kommen. ZOË präsentiert uns mit „Loin d’ici“ ein Zuckerli, wie es süßer kaum sein könnte…samt Glasur und kleinen, bunt glitzernden Deko-Kügelchen. Das Ganze segelt äußerst hart an der Grenze zur Überdosis, funktioniert aber am Ende doch ganz gut. Muss nicht, könnte aber ins Finale.

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#ESC2016 – Teil 3: Armenien, San Marino, Russland

ArmenienSan MarinoRussland

Es gibt in jedem Jahr diesen einen Beitrag, der von überall gefeiert wird, zu dem mir persönlich aber (frei nach Hape Kerkerling) der intellektuelle Zugang fehlt. Die Ehre in Stockholm diesen Song zu präsentieren hat Iveta Mukuchyan für Armenien, „Love Wave“ heißt ihr Beitrag, der für mich aus schlicht zu vielen Versatzstücken zusammengekleistert wurde, um am Ende aufzugehen. Ich sehe das Ding nicht mal im Finale, aber was weiß ich schon. Werd halt langsam auch alt.

Freunde der Sonne! So klingt es also, wenn Ralph Siegel nicht mehr für San Marino die Kohlen aus dem Keller holt. „I didn’t know“ heißt der Titel, den Serhat…nunja, sagen wir halt mal „singt“. In den heutigen Zeiten, in denen die meisten Länder mit perfekt durchkonstruierten Liedern (siehe Russland) an den Start gehen, tut so ein wenig an alte Grand Prix Zeiten erinnernder Trash fast schon ein bisschen gut. Aber auch nur fast. Wird entweder auf dem letzten oder vorletzten (siehe Montenegro) Platz im ersten Halbinale landen.

Der Sieger der Buchmacher. Ob es für die Herzen der Zuschauer auch reichen wird ? Sergey Lazarev bringt mit „You’re the only one“ den mit weitem Abstand perfektest zusammengedübelten ESC-Song des Jahres auf die Bühne. Da fehlt nichts: elektronisch modern genug, Trommeln, Streicher, kurzer Aussetzer der Musik, vermutlich eine makellose Choreographie unter Einbindung der LED-Bühne, Flammen, Zauber, etc. pp. Der Song geht ins Ohr, Sergey ins Auge, leider alles sehr gut gemacht. Wird außerhalb des Bewerbs vermutlich nie mehr gespielt werden, darf deswegen gerne den zweiten Platz Russlands von Polina Gagarina in Wien wiederholen. Im Halbfinale mit weitem Abstand vorne.

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#ESC2016 – Teil 2: Ungarn, Kroatien, Niederlande

UngarnKroatienNiederlande

Ungarn hat in den letzten Jahren hübsch abwechslungsreiches und meist qualitativ sehr brauchbares Material beim ESC an den Start gebracht. In Stockholm gibt es eine Grölballade allerhöchster Kajüte. Starker Refrain, zwischendurch jedoch etwas durchhängend. Da praktisch alle Balladen in diesem Jahr im zweiten Halbfinale starten, dürfte Freddie mit „Pioneer“ aber trotzdem keine so fürchterlich schlechten Chancen haben, am Samstag noch einmal auf der Bühne zu stehen. Dort wird er dann auf der linken Seite des Tableaus landen. Denke ich.

Kroatien hat bei den letzten beiden Contests von der Seitenlinie zugeschaut und wirft sich in diesem Jahr zurück ins Getümmel. Nina Kraljić bringt mit „Lighthouse“ ein sehr hübsch dahinschwebendes, hymnisches Etwas in den Wettbewerb, welches das erste Halbfinale ziemlich sicher überstehen sollte. Könnte im Finale dann allerdings im allgemeinen Trubel untergehen.

Nach ihrem zweijährigen Höhenflug landeten die Niederlande in vergangenen Jahr unsanft auf dem Boden der im Halbfinale ausgeschiedenen Tatsachen. Nun soll es Douwe Bob mit „Slow Down“ richten, einer Nummer, die in ihrer ganzen Akustik völlig aus dem Rahmen des diesjährigen Wettbewerbs fällt. Mir persönlich gefällt sie sehr gut, ich drücke die Daumen fürs Weiterkommen.

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#ESC2016 – Teil1: Finnland, Griechenland, Moldawien

Wer hat an der Uhr gedreht, ja es ist wirklich schon wieder so spät. Der Eurovision Song Contest steht in gut zwei Wochen auf dem Programm, veranstaltet in der europäischen Pop-Metropolregion Schweden. In den nächsten 14 Tagen stehen sämtliche 42 Beiträge des Jahrgangs in homöopatischer Dosierung zur Verabreichung parat. Streng chronologisch beginnen wir mit den Teilnehmern des ersten Halbfinals, welches recht spannend werden dürfte. Hauptsächlich, weil das Niveau wirklich ganz unglaublich überschaubar und deswegen alles möglich ist.

FinnlandGriechenlandMoldawien

Weil’s textlich so gut passt, darf Sandhja mit „Sing it away“ für Finnland den Reigen der musikalischen Europatour eröffnen. Hübscher Gute-Laune Pop, dessen Refrain auch gut und gerne von Stefan Raab sein könnte. Tut niemandem weh und das will im ersten Halbfinale schon etwas heißen. Mir persönlich fallen durchaus acht Songs, die ich weniger gerne im Finale sehen würde, könnte am Ende knapp reichen.

Nachdem Griechenland im vergangenen Jahr eine 08/15 Schmonzette ins Rennen geschickt hat und damit zwar ins Finale, dort aber nicht recht weit gekommen ist, greifen sie in Stockholm ganz tief in die Folklore-Kiste. Wenn es im „Utopian Land“ allerdings musikalisch so zugeht, wie die Band Argo demonstriert, verzichte ich gerne auf den Einzug. Bonuspunkte zwar für den Mut, dieses völlig quer liegende Machwerk auf Europa loszulassen, es droht trotzdem das erste Aus für Hellas in einem Halbfinale.

Ungleich massenkompatibler geht es auf Startplatz 3 zu, Linda Isac präsentiert für Moldawien mit „Falling Stars“ einen mit schwedischer Unterstützung gebastelten Pop-Dance Song, der im Vergleich zur Konkurrenz geradezu geschmeidig meine Gehörgänge entlang segelt. Komponist Gabriel Alares war bereits für die russischen Beiträge der Jahre 2013 und 2015 mitverantwortlich, die auf den Plätzen 5 bzw. 2 landeten. Es gibt schlechtere Voraussetzungen für einen Finaleinzug.

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009

Wenn du nebenbei, schnellschnell und im Kopf versuchst, die Rechnung „Gesamtkosten – Retoure – ePoints + Versandkosten“ deiner letzten Bestellung bei Esprit zu lösen, und Tage später eine Mail kommt, die dich bittet, auch die fehlenden 0,09€ noch zu überweisen.

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Living in a Box

„Dich würdige ich keines Blickes mehr. Blöde Box!“

Heute vor zwei Jahren begab sich das kleine Wuschelpaket oben links auf große Reise, landete am Köln/Bonner Flughafen und mitten in meinem Herzen. Zu der Transportbox, in der er die Reise antrat, hat er, wie auf dem Foto wunderbar ersichtlich, seitdem ein absolutes Null-Verhältnis. Nachdem ich die Box hier im Haus auf den Boden setzte und die kleine Tür öffnete, krabbelte er heraus, pullerte gleich mal auf den Teppich und würdigte sie danach keines Blickes mehr. Ich nahm an, dass er die Box mit seiner spanischen Kuscheldecke zu Beginn vielleicht als sicheren Rückzugsraum betrachten würde, in ihr würde schlafen wollen. Denkste.

Natürlich Denkste. Wenn er hätte reden können, hätte er mir vermutlich sämtlichen Verstand abgesprochen: „Die hellste Leuchte bist du nicht, oder ? Die sperren mich auf Gran Canaria in so eine kleine Kiste, verladen mich in eine wesentlich größere, fliegende Kiste, in der es besonders laut und besonders kalt ist, holen mich wieder raus, leiten mich über ratternde Bänder, ein Kerl hebt mich auf ein rollendes Brett, legt seine Tasche oben auf meine Kiste, dann kommst du und rollst mich zu einer fahrenden Kiste, in der ich eine Stunde lang in meiner kleinen Kiste verängstigt in der Ecke liege, nicht wissend wo, wann und bei wem ich gerade bin, bevor ich durch die Gegend getragen werde und sich dann endlich die Tür öffnet. Und jetzt kommst du und meinst, ich würde da nochmal freiwillig rein. Ihr Menschen habt echt nen schrägen Humor.“ Jetzt wo du’s sagst…

Zwei Jahre stand die Transportbox unberührt im Keller, Zeit sie an Menschen weiter zu geben, die für sie mehr Verwendung haben!