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Life is strange, Episode 4: Dark Room

 

Es ist schon eine ganze Weile her, dass mir ein Spiel seine Faust mit einer vergleichbaren Wucht so gezielt, wiederholt und kräftig in die Magengrube gerammt hat wie die vierte Episode von Life is strange. Gleich zu Beginn findet sich Max in der alternativen Realität mit der gelähmten Chloe wieder, begleitet sie an den Strand. Äußerst unbehagliche Situation, in meinem Köpfchen blinkt unregelmäßig die Leuchtschrift „deine Schuld!“ auf. Wieder zurück im Heim der Familie Price schauen sich Chloe und Max zusammen Blade Runner an, am nächsten Morgen offenbart ein Streifzug durchs Haus und ein Gespräch mit William, dass die Rechnungen für Chloes Behandlung nicht zu stemmen sind und Chloes Zustand sich schlechtert (immer noch, „deine Schuld!“). Beim Blättern durch ein Fotoalbum mit Bildern aus den besseren Zeiten wird klar, dass Chloe all dies natürlich auch weiß. Sie bittet Max, einfach die Dosis Morphium hochzudrehen und sie ins Reich der ewigen Träume zu entlassen.

Klar, lasst das nur mich entscheiden. Kein Problem. Ihr habt sie doch nicht mehr alle! Im festen Glauben, dass dieses Paralleluniversum nicht das letzte Wort des Spiels sein kann (obschon es seinen Weg in das Tagebuch von Max gefunden hat, sämtliche Einträge und SMS der ersten drei Episoden sind verschwunden), erfüllt Max Chloes Wunsch. Deprimierender kann das Spiel eigentlich nicht mehr werden, denke ich. Vor Max liegt noch das aufgeschlagene Fotoalbum, zu sehen der vermaledeite Schnappschuss des verhängnisvollen Tages, an dem Max die Realität mit der gesunden Chloe und ihrem toten Vater auf ein anderes Gleis lenkte. Fokus drauf, ab zurück dorthin und das vorherige Eingreifen durch Nichtstun ersetzt. Sorry William.

Die Rechnung geht auf, tiefes Durchatmen…jedoch nur kurz. In der „normalen“ Welt gilt es schließlich immer noch das Verschwinden Rachels aufzudecken. Aus Nathans Zimmer im Wohnheim wird eines seiner Handys ausgeborgt, von Frank erhalten Max und Chloe nach einer etwas längeren Rückspulaktion die Liste seiner Klienten. Auch ihm liegt viel an Rachel. Es folgt ein kleines und sehr feines Detektivspiel, in dem es herauszufinden gilt, wo sich Nathan aufhielt, als Kate ihren Blackout hatte. Die Hinweise werden sortiert, gefiltert und liefern eine alte Scheune als Zielort, unter der sich der Traum eines jeden psychopathischen Massenmörders befindet: der Dark Room. Klinisch sauber, mitsamt netter Bühne für Fotoshootings mit (oder vielleicht besser: an) unter Drogen gesetzten Mädchen. Mir wird schlecht. Chloe und Max finden in einem Schrank ordentlich mit Namen versehene Ordner, derjenige mit dem Schriftzug „Rachel“ zeigt als finales Foto den alten Schrottplatz, auf dem sich ihre Leiche befindet. Mir wird schlechter.

Nathan muss büßen, soviel ist klar. Das dynamische Duo macht sich auf den Weg zur Party des Vortex Clubs in der Schule, findet den Nathan dort jedoch nicht. Eine SMS von ihm, in der er die Beseitigung von Rachels Leiche ankündigt, lockt unsere beiden Heldinnen wieder zurück zum Schrottplatz…und in die Falle. Max wird eine Spritze von hinten in den Hals gestochen, im taumelnden zu-Boden-sinken sieht sie verschwommen wie Chloe erschossen wird. Langsam schiebt sich der Kopf ihres Lehrers Mr. Jefferson ins Sichtfeld. Klappe, Ende.

Ich leg mich erst mal ins Bett, wickel mich in meine Decke und bin heilfroh, nicht ein paar Monate auf die Auflösung warten zu müssen. Chloe stirbt mir ein wenig häufig in diesem Spiel, da entwickelt sich langsam ein Muster…