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…and 12 points got to

Das kommt ja fast einer kleinen Revolution gleich: Die Punktevergabe beim Eurovision Song Contest wird (wieder) ein wenig geändert. Nachdem man, um den angeblichen und angeblich lästigen Nachbarschafts- und Migrations-Punkte-Zuschustereien ein Ende zu bereiten das Publikum semi-entmachtet und ihnen jeweils nationale Jurys zur Objektivitäts-Steigerung zur Seite gestellt hat, geht man nun einen Schritt weiter…bzw. eigentlich eher ein wenig zurück und dafür etwas zur Seite. Beim ESC in Stockholm werden zunächst im alten System die Punkte aus den teilnehmenden Ländern abgefragt, allerdings nur diejenigen der Jury-Abstimmungen. Nachdem das letzte Land seine Punkte verkündet hat, werden zum Abschluss die Ergebnisse des Zuschauer-Votings addiert.

Spannung !!

Machen wir uns nichts vor, der ESC ist leider nicht in jedem Jahr wirklich spannend. Sehr häufig gibt es einen mehr oder minder klaren Favoriten, der während der heiteren Punktevergabe mit immer größer werdendem Vorsprung von dannen zieht und ca. 5 bis 6 Votings vor dem eigentlichen Ende der Veranstaltung nicht mehr einholbar ist. In den letzten Jahren entschied man sich schließlich dazu, dem Zuschauer das Rechnen vor dem heimischem Empfangsgerät abzunehmen („noch 5 Länder, macht 60 Punkte, es sind 64 Vorsprung…wir sind durch !“) und den Sieger in Moment des mathematischen Feststehens zu verkünden. Nadel in den Ballon, wohin die letzten fünf Länder ihre Punkte schieben: eigentlich auch wurscht. Durch die Bekanntgabe der pan-europäischen Zuschauer-Abstimmung ganz am Ende ist jedoch Spannung bis zur letzten Sekunde garantiert, schließlich werden dort in einem Rutsch noch einmal exakt so viele Punkte verteilt wie bis zu diesem Moment. Alles noch drin, da.

mutig, mutig

Der Sieger des letztjährigen ESC hieß zwar Schweden, die Zuschauer hatten jedoch einen anderen Favoriten. Die drei italienischen Tenöre Il Volo waren mit ihrem Schmachtfetzen „Grande Amore“ ganz vorne, holten aus dem Zuschauer-Voting satte 356 Punkte, bekamen dabei nicht nur aus jedem Land Punkte, sondern waren nirgendwo schlechter als Platz 6! Den zweiten Platz beim Publikum holte Russland (285 Punkte), Schweden landete auf Platz 3 mit 272 Punkten. Dass Måns Zelmerlöw am Ende trotzdem den Sieg davon trug, war lediglich den Jurys geschuldet. Sie werteten ihn mit noch größerem Vorsprung auf den Platz an der Sonne (353), vor Lettland (249), Russland (234), Australien (224) und Belgien (186). Italien landete hier mit 171 Punkten nur auf dem sechsten Rang und war somit in der Endabrechnung chancenlos. Teilweise waren die Unterschiede Publikum/Jury geradezu abstrus krass, hierzulande stand bspw. ein erster Platz Italiens bei den Zuschauern einem 18.(!) Platz bei der Jury gegenüber.

Bei der bisher üblichen Bekanntgabe der Punkte sind diese Unterschiede natürlich durchs Raster gefallen, da nur das bereits addierte Endergebnis aus Jury und Publikum verkündet wurde. Man konnte sich zwar nach dem Wettbewerb auf der Webseite des ESC haarklein das Voting jedes Landes und jedes Jurors en détail ansehen…aber mal ehrlich, wer außer mir ist schon so deppert und verschwendet seine Zeit mit sowas. Die neue Art der Punktevergabe und -verkündung macht die Differenzen zwischen Jury und Publikum nun unmittelbar transparent. Das kann nur gut sein.

Ein wenig Barmherzigkeit

Wir erinnern uns: Nicht einen einzigen lumpigen Punkt erhielt Ann Sophie im letzten Jahr für ihren „Black Smoke“. Den Gastgebern erging es nicht besser, Deutschland und Österreich grüßten vom Ende des Scoreboards. Beiden Ländern wäre dieser peinliche Moment mit dem nun eingeführten System erspart geblieben. Zwar fand sich bei den Zuschauern tatsächlich kein Land, in dem Österreich einen Punkt bekommen hätte, bei den Jurys sah es mit gleich 40 Punkten (und damit Platz 13 in dieser Wertung) ungleich besser aus. Ann Sophie erhielt von den Zuschauern immerhin 5 Punkte, bei den Jurys derer 24. Die Abstimmungen der Jurys und der Zuschauer einzeln zu bepunkten bedeutet nicht nur eine doppelte Chance wenigstens ein paar Pünktchen zu sammeln. Es löst auch den im letzten Jahr nicht selten aufgetretenen Fall auf, dass eine Jury einen Punktekandidaten der Zuschauer beim Zusammenlegen der Ergebnisse wieder aus den Punkten rauszerrt. Mehr Punkte für alle, auch das dient der guten Laune.